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Eisenerzbergbau in Braunfels - Grube Ottilie in Philippstein


Auf dem etwa in halber Entfernung zwischen Braunfels und Philippstein gelegenen Eisensteinlager wurde schon in der Frühzeit geschürft. Die erste Verleihung erfolgte jedoch erst am 3. Mai 1849 auf Eisenstein an den Fürsten zu Solms-Braunfels, welcher die Grube offensichtlich nach dem Vornamen seiner Ehefrau taufte. Am 1. Dezember 1906 verkaufte dieser das Bergwerk - zusammen mit allen anderen fürstlichen Erzbergwerken - an die Firma F. Krupp in Essen. Nach diversen Abbauschwankungen - auch Betriebsunterbrechungen - schloß die Grube am 31. Dezember 1962 zusammen mit diversen anderen Lahngruben wegen Absatzmangels die Tore.
Grube Ottilie, 1887 - Die Belegschaft der fürstlichen Roteisensteingrube hatte sich hier aufgestellt vor dem Mundloch des "Tiefen- oder Ottilien-Stolln" im Tal des Iserbaches bei Braunfels.
Im Jahre 1862 wurde der hier im Bild gezeigte "Tiefe Stolln" vom Iserbachtal aus begonnen ("Iserbach" = Eisenbach), welcher im Jahre 1903 auf einer Gesamtlänge von 470 m, 1915 auf 620 m Länge und im Jahre 1934 schließlich zur Endlänge von 1085 m aufgefahren wurde. Ebenfalls im Jahre 1862 wurde das Erzlager von der Gegenseite her - also vom östlichen Solmsbachtal in der Nähe der Gemeinde Bonbaden - durch einen Stollen aufgeschlossen, welcher später auf eine Länge von insgesamt 840 Metern erweitert wurde.
Bereits vor der Jahrhundertwende wurde das Erzlager durch einen Tiefbauschacht (Blindschacht) bis auf 35 m unter der Stollensohle aufgeschlossen; dieser Betrieb mußte jedoch im Jahre 1903 wegen mangelhafter maschineller Einrichtungen aufgegeben werden und ersoff im selben Jahre.
In den Jahren 1910 bis 1915 wurden durch Krupp Untersuchungsarbeiten durchgeführt, in deren Verlauf der "Tiefe Stolln" bis auf 620 m Länge erweitert wurde. 1918/19 fand wieder Betrieb statt, und der Stollen kam auf 1000 m Länge. 1923 mußte der Betrieb - wie auch auf vielen anderen hiesigen Gruben - wegen der schlechten Absatzlage erneut aufgelassen werden. Das hier im o.g. Bild gezeigte Mundloch des "Tiefen- oder Ottilien-Stolln" ist noch heute auf dem Gelände in dieser Grundform - ohne die Zinnen - erhalten geblieben.
Grube Ottilie, 1938 - Diese aus südlicher Richtung - von Philippstein her - auf das fürstliche Schloß im Bildhintergrund zu fotografierte Aufnahme zeigt uns diejenigen Tagesanlagen der Eisensteingrube, welche sich im Iserbachtale befanden; dabei sehen wir rechts außen das Zechenhaus, etwa in der Bildmitte das Transformatorenhaus (mit dem spitzen Dach), sowie die langgestreckte Erz-Scheidehalle im linken Bildteil.
Das Mundloch des "Tiefen Ottilien-Stolln" lag hier rechts außerhalb des Bildes, verborgen hinter dem Zechenhaus - d. h., der eigentliche Grubenbetrieb befand sich im Berg rechts dieser Anlage.
Gerade auch auf diesem Bild ist deutlich erkennbar, daß man schon in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Gruben nach gewissen Normen ausstattete; die hübschen Fachwerkhäuser (links und Bildmitte hinten) begegnen uns in nahezu derselben Konstruktion auch auf den anderen Krupp'schen Gruben- z. B. Heinrichssegen, Magnet, Fritz, Laubach usw.
Diese Gebäude wurden nach Grubenschließungen recht häufig auch zerlegt - und auf anderen Gruben wieder aufgestellt (z. B. von Grube Klöserweide in Philippstein nach Grube Neuer Eisensegen bei Aumenau, usw.). Aber auch in einer anderen Hinsicht glichen sich die Gruben Ottilie und Neuer Eisensegen: Ebenso wie bei Aumenau, befand sich auch hier bei Braunfels der Holzplatz des Bergwerkes nicht an der eigentlichen Tagesanlage im Tal! Auch bei Grube Ottilie wurde das notwendige Ausbauholz direkt aus dem Walde - in diesem Falle durch den ca. 400 m östlich des Stollenmundloches (dabei etwa 60 Meter höher am Hang) gelegenen "Oberstolln" über einen Blindschacht mit Haspelförderung - auf die Stollensohle befördert.
Grube Ottilie, 1938 - Ausfahrt aus dem "Tiefen Stolln" der Krupp' schen Eisenerzgrube bei Braunfels. Auf der "Deutz-Lok" sehen wir hier Willi Brumm aus Philippstein, welcher die Förderwagen durch das damals noch im ursprünglichen Stil erhaltene Stollenportal ausfährt.
Nachdem die Grube im Jahre 1923 stillgelegt worden war, wurde der Betrieb erst 1934 wieder aufgenommen - dabei der "Tiefe Stolln" auf seine endgültige Länge von 1085 m aufgefahren.
Ab dem 31. Mai 1943 wurde die Grube Ottilie aus wirtschaftlichen Gründen zusammengelegt
mit der benachbarten Grube Eisenfeld und fortan als eine Betriebseinheit geführt; die wirkliche Zusammenführung erfolgte jedoch erst im Jahre 1959, als auch räumlich eine Verbindung auf der 180 m-Sohle von Ottilie (180 m unter der Stollensohle) mit der 190 m-Sohle von Eisenfeld aufgefahren wurde. Im selben Jahre war auch der neue Blindschacht fertiggestellt worden, wodurch die alte Fördermaschine der Grube Heide ersetzt wurde.
Gemäß den Wünschen der verarbeitenden Hüttenwerke nach feinklassiertem Erz wurde zu der Zeit auf Grube Ottilie die damals modernste Aufbereitungs- und Verladeanlage des gesamten Lahnrevieres mit Millionenaufwand errichtet. Alle diese Investitionsanstrengungen gingen jedoch nahezu ins Leere, auch die Grube Ottilie mußte den Betrieb nach 113 Jahren nachgewiesener Tätigkeit beim großen Sterben der Lahngruben im Jahre 1962 einstellen!
Grube Ottilie, 1938 - Diese - vom Iserbachtal aus westlicher Richtung her aufgenommene - Fotografie zeigt uns die Situation an der Erz-Scheidehalle der Roteisensteingrube bei Braunfels-Philippstein im
Jahre ihrer Errichtung.
Derartige Verlese- und Verladeeinrichtungen gab es zu der Zeit auf verschiedenen Lahngruben; dabei beherbergte die auf der mittleren von drei Ebenen der Verladestelle erbaute Holzüberdachung den Erzumschlag von der Gruben-Förderbahn (obere Ebene, im Bildhintergrund) zur Ernstbahn (untere Ebene, hier mit einem Waggon im Bildvordergrund).
Das Grubengelände in den 60er Jahren
Die gesamte Anlage war etwa 50 Meter vor dem Mundloch des "Tiefen Stolin" der Grube Ottilie an der "Station Ottilie" der Ernstbahn gebaut worden; ein recht ähnliches Holzgerüst steht auf diesem Gelände noch heute. Das Areal befindet sich seit mehreren Jahren in Privatbesitz. (K. P.)
Grube Ottilie im Jahre 2001
Ehemaliger Verladebunker
© Förderverein Besucherbergwerk Fortuna e.V., Wetzlar, 1985 - Auszüge aus dem Buch "Eisenerzbergbau in Hessen" von Rolf Georg, Rainer Haus, Karsten Porezag