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Zeugen frühen Christentums in Neukirchen


Als im April 2013 die Ausschachtungsarbeiten für den Einbau einer Fußbodenheizung in der Kirche in Neukirchen begannen, mussten sie gleich wieder unterbrochen werden. Der Minibagger hatte menschliche Gebeine aus dem Boden gerissen.

Nun ist es in früheren Zeiten nicht unüblich gewesen, bestimmte Menschen im Kircheninnern und nicht auf dem Friedhof zu bestatten - doch für Neukirchen war dies nicht erwartet worden. In Absprache mit der zuständigen Bezirksarchäologin am Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden, Frau Dr. Schade-Lindig, übernahmen Mitglieder des Vereins für regionale Vorgeschichte mit Sitz in Oberquembach die Aufgabe der Skelettbergung und der weiteren archäologischen Untersuchungen.

Im Chor wurden sechs Bestattungen noch in Originallage angetroffen, Knochen von weiteren Menschen waren schon bei früheren Beerdigungen entfernt und in einer seitlichen Grube erneut beigesetzt worden. Man hatte alle Menschen in Rückenlage beerdigt mit Blick nach Osten, und zwar ohne Särge, aber sicher in Leinentücher eingenäht, die im Boden nicht mehr nachweisbar waren. Da im Chor auch mehrere Kinder bestattet waren, ist von der Grabstätte einer im Leben sozial hoch stehenden Familie auszugehen. Um wen es sich dabei handeln könnte, ließ sich durch historische Nachforschungen nicht ermitteln.

Im Kirchenschiff tauchte eine weitere einzelne Bestattung auf, die sich von den übrigen deutlich unterschied: Der Körper war mit Steinen umsetzt und im Bauchbereich wohl zu einem späteren Zeitpunkt (bei einer versehentlichen Öffnung des Grabes) mit neuzeitlichen Dachschieferplatten abgedeckt worden. Die Arme waren auf dem Körper platziert und die Hände wohl ursprünglich in Gebetshaltung zusammengelegt. Der Kopf ruhte auf einer Holzplatte, die sich allerdings nur noch durch eine dunkelbraune humose Schicht abzeichnete.

Die Toten waren ohne Beigaben beerdigt worden; daher fehlten Hinweise auf den Zeitpunkt ihres Ablebens. Ausgehend von der Tatsache, dass zwischen dem frühen 9. und dem späten 13. Jahrhundert regelhaft nicht in Kirchen bestattet werden durfte, wurde der Zeitraum, in dem die Grablegen entstanden, im späten Mittelalter vor der Reformation vermutet. Nach einer von der Kirchengemeinde finanzierten Altersbestimmung allerdings stellt sich die Situation jetzt ganz anders dar.

Drei Skelette wurden mit Hilfe der sogenannten 14C- Methode auf den Zeitpunkt des Todes hin untersucht und das Ergebnis ist sensationell: Diese Menschen lebten noch vor dem Jahr 1000 n. Chr.! Kirchengebäude wurden damals vom Grundherrn errichtet (sog. Eigenkirche), der auch für ihre Ausstattung und einen Pfarrer zu sorgen hatte. Eine übergreifende kirchliche Organisation gab es noch nicht. Es kann sich daher nur um einen sozial hochstehenden Herrn gehandelt haben.



Die Kombination von Kirche und Kirchenherr mit Familie im frühen Mittelalter ist bisher im Lahn-Dill-Kreis einzigartig. Um noch mehr über diese Menschen in Erfahrung zu bringen, können anthropologische Untersuchungen das Geschlecht und das Sterbealter jeden Individuums bestimmen, können Aussagen über Krankheiten und Ernährung gewonnen werden.

Entsprechende Untersuchungen werden etwa 2000 Euro kosten. Wenn auch Sie diese einmalige Gelegenheit, Informationen zu Vorfahren aus unserer regionalen Vergangenheit zu erhalten, unterstützen wollen, dann bitten wir um Geldspenden auf das Konto des "Vereins für regionale Vorgeschichte e.V." bei der Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE05 5139 0000 0012 7420 02, Stichwort Skelettuntersuchung. Alle Spenden sind steuerlich begünstigt.

Nach Abschluss der Untersuchungen sollen die Gebeine in angemessener Form auf dem Friedhof wieder bestattet werden. Es wird eine Veröffentlichung geben, in der natürlich auch alle Sponsoren genannt werden.
Klaus Engelbach, Michel Küthe



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